DEN BESTEN GEHTS BESSER DENN JE –              DAS 23. SCHWEIZER HOTELRATING

Im vergangenen Sommer wie auch im Winter wurden nahezu überall Rekordzahlen geschrieben. Auch die Aussichten für den Sommer 2019 sind gut wie schon lange nicht mehr. Das ist eine Entwicklung, von der die Branche während der langen Krisenjahre kaum zu träumen wagte. Und die belegt, dass die Talsohle definitiv durchschritten ist. Dass es den Besten der Besten so gut geht wie kaum je zuvor, hat aber noch einen andern Grund: Sie sind noch besser geworden. Die Luxushotellerie ist dank gewaltigen Investitionen schon seit einiger Zeit weltweit das Mass aller Dinge. Zuletzt erfasste die Aufbruchstimmung aber auch das Drei- und Viersternsegment, wo sich viel Positives getan hat. Auch hier braucht man sich im internationalen Vergleich nicht zu verstecken.

 

An der Spitze der Häuser, die noch nie so gut waren wie heute, steht das Castello del Sole in Ascona. Ein vorbildlich geführtes, unverwechselbares Ferienresort war das Sonnenschloss mit seinem tollen Landwirtschaftsbetrieb und genialer Küche schon immer. Doch seit Besitzer Gratian Anda sich persönlich um die Weiterentwicklung des atemberaubend schönen Komplexes kümmert, hat das Castello eine neue Dimension erreicht. Nach neun Jahren Unterbruch steht es denn auch erstmals wieder an der Spitze der Rangliste mit den besten Ferienhotels der Schweiz. Das Castello del Sole löste The Chedi ab. Das spektakuläre Herzstück von Samih Sawiris’ Andermatter Tourismusprojekt bleibt aber die Nummer eins für Ferien in den Alpen.

 

Keinen Wechsel an der Spitze gab es in den vier übrigen Kategorien. Wer ganz oben ist, verteidigt seine Position mittlerweile mit einer ähn­lichen Leidenschaft wie ein Starkoch seine Michelin-Sterne. Das grandiose Wellnesshotel Pirmin Zurbriggen in Saas-Almagell bleibt das beste Nice-Price-Ferienhotel (günstigstes Doppelzimmer für 275 Franken oder weniger). Das Bürgenstock Resort mit dem Flaggschiff Bürgenstock Hotel & Alpine Spa ist weiterhin ­bestes Wellnesshotel im Land. Das Grand Resort Bad Ragaz mit seinem für 45 Millionen Franken grossartig renovierten Herzstück, dem Quellen­hof, ist dem Bürgenstock allerdings hart auf den Fersen. Nummer eins bei den Stadthotels bleibt unangefochten The Dolder Grand; zumindest in Europa kommt kein City­resort an den Traumpalast am ­Zürichberg heran. Und das Albergo Losone im grössten Palmengarten der Schweiz darf sich seit mittlerweile über 20 Jahren rühmen, das beste Familienhotel im Land zu sein.

 

Grösster Aufsteiger im Rating ist die Villa Orselina. Das edle Refugium für Geniesser hoch über dem Lago Maggiore, dessen Zukunft noch vor wenigen Jahren in den Sternen stand, rückte um 

 

rekordverdächtige elf Ränge vor. Um zehn Positionen verbesserte sich die Chesa Randolina. In diese Engadiner 3-Stern-Perle im Flecken Sils wurden soeben wieder zwei Millionen investiert. Je sieben Plätze gewannen der Zermatterhof und der Hof Weissbad. Ein besonders interessanter Neuling ist The Hide Hotel in Flims. Hier dominieren Farben und glitzernde Tapeten, das Ambiente mit einem Touch zum Urbanen ist wohltuend anders als in den meisten Alpenhotels.

 

Hotel des Jahres ist das Zürcher Widder Hotel, eine unvergleichlich schöne, kleine Welt für sich. Das Hotel des Jahres haben wir auch dieses Jahr wieder innerhalb einer kompetenten Jury bestimmt. Für alle weiteren Auszeichnungen ist der Autor zusammen mit seinen derzeit 16 Testerinnen und Testern allein zuständig. 

 

Hotelier des Jahres ist Andrea Scherz. Wie der Besitzer und operative Chef des Gstaad Palace sein Märchenschloss durch schwierige Zeiten ma­növriert hat, verdient höchste Anerkennung. Koch des Jahres ist Silvio Germann (Igniv by ­Andreas Caminada, Grand Resort Bad Ragaz). Concierge des Jahres ist Claudio Caser (Giardino Ascona). Aufsteiger des Jahres ist ­Richard Leuen­berger (Badrutt’s Palace Hotel, St. Moritz). Newcomer des Jahres ist Riccardo Giacometti (Atlantis by ­Giardino, Zürich). Das Comeback des Jahres gibt Peter Kämpfer (Victoria-Jungfrau, Interlaken). Aussteiger des Jahres ist Simon Schenk (bisher Guarda Golf, Crans-Montana). Der Lifetime Award geht an Emanuel Berger, einen der grössten Schweizer Hoteliers der vergangenen 50 Jahre.

 

In diesem Führer, der zum siebten Mal erscheint, ist einiges neu. Das Rating umfasst nicht mehr 150 Hotels, sondern 100. Dafür können wir jedes der aufgeführten Häuser neu auf einer Doppelseite präsentieren. Verzichten werden wir künftig auf die Liste mit den zehn besten Seminarhotels. Die Trouvaillen hingegen bleiben. Zum fünften Mal haben wir 15 Hotelperlen ganz unterschiedlicher Art gefunden, die aus dem einen oder andern Grund im Rating keine Aufnahme finden. Erfolg beflügelt. Verlag und Autor haben deshalb beschlossen, zu Beginn der kommenden Wintersaison erstmals den Guide «Die 100 besten Winterhotels der Schweiz» herauszubringen.

 

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit dem neuen Hotelführer.

 

Karl Wild

Autor