ERNEUTES HOFFEN AUF SCHWEIZER FERIENGÄSTE –DAS 25. SCHWEIZER HOTELRATING

Das Jahr 2020 war für die Schweizer Hotellerie, ja für den Tourismus überhaupt ein Jahr des Schreckens. Dass die Zahl der Hotelübernachtungen auf den Stand von 1950 hinunterrasselte und einen historischen Tiefpunkt erreichte, besagt eigentlich alles. Wobei man differenzieren muss: Die Ferienhotellerie konnte sich im Sommer dank einem wahren Ansturm von Schweizer Gästen trotz vielen Einschränkungen noch knapp über Wasser halten. Auch im vergangenen Winter war Verlass auf die Einheimischen. Sie sorgten dafür, dass die Mehrheit der Winterhotels die verkorkste Saison irgendwie überstand. Ungleich prekärer steht es um die Stadthotellerie. Der noch immer nahezu totale Ausfall von Gästen aus dem Ausland ist eine einzige Katastrophe.

 

Positiv am ganzen Pandemieschlamassel war eingentlich nur die ­beispielhafte Entschlossenheit der Branche, sich den komplett neuen Herausforderungen zu stellen. Im gemeinsamen Kampf ums Überleben wurde plötzlich ein wahres Feuerwerk an Innovationen und Ideen gezündet. Auch die ausgeklügelten Schutzmassnahmen waren an Kreativität oft kaum zu überbieten – und haben sich mustergültig bewährt. Die Kritiker aus Deutschland, Frankreich und Italien (aber auch aus dem eigenen Land), die das Offenhalten der Hotels, Skigebiete und Bergbahnen im Winter als verantwortungslosen Schweizer Sonderweg geisselten, sind verstummt. Ein zweites Ischgl gab es nirgends. Die grosse Frage ist jetzt, was die bevorstehende Sommersaison bringt. Sicher ist eigentlich nur, dass nichts sicher ist. Dass Ferien im Ausland noch immer allerhand Risiken bergen. Und dass es eine Menge triftiger Gründe gibt, das Geld erneut oder noch einmal in der Schweiz auszugeben. Zum Beispiel die Topqualität der helvetischen Hotellerie.

 

Bestes Schweizer Ferienhotel ist zum dritten Mal in Folge das ­Castello del Sole in Ascona. Bei den Nice-Price-Ferienhotels verteidigte der Vitznauerhof Platz eins ebenso wie das Grand Resort Bad Ragaz bei den Wellnesshotels und The Dolder Grand bei den Stadt­hotels. Bestes Hotel für Familienferien ist nach einem Jahr Unterbruch wieder das Albergo Losone. Grösster Aufsteiger ist das Deltapark Resort in Thun, das bei den Wellnesshotels um neun Plätze vorrückte. Acht Häuser schafften erstmals (oder wieder) den Sprung ins Rating. Zu den interessantesten gehört der Walliserhof in Saas-Fee, der eine Art Wiedergeburt feierte. Corona hin oder her: In diesem Jahr werden gleich mehrere neue Häuser eröffnet, die im Rating künftig eine Rolle spielen werden. Allen voran das Kempinski Palace in Engelberg und das Hotel Bergwelt in Grindelwald. 

Hotel des Jahres ist das Grand Hotel Zermatterhof, das mit einer Beharrlichkeit sondergleichen die Zukunft eingeläutet hat. Hotelier des Jahres ist Adrian K. Müller (Stern, Chur), ein genialer Unternehmertyp auch (oder erst recht) in der Krise. Koch des Jahres ist Rolf Fliegauf (Ecco Giardino Ascona und St. Moritz), Concierge des Jahres ist Laura Bründler (Waldhaus, Sils), Newcomer des Jahres ist Thomas Maechler (La Réserve Eden au Lac, Zürich), Aufsteiger des Jahres ist Leo Maissen (Tschuggen Hotel Group), Aussteiger des Jahres ist Mark Jacob (bisher The Dolder Grand, Zürich). Der Livetime Award schliesslich geht an Fritz Erni, der mit dem Montana in Luzern ein atemberaubendes Gesamtkunstwerk geschaffen hat.

 

Mittlerweile erscheint das Schweizer Hotelrating zum 25. Mal. Während der ersten fünf Jahre veröffentlichte ich es im Wirtschaftsmagazin «Bilanz», seither in verfeinerter Form in der SonntagsZeitung. Die vergangenen 25 Jahre waren wohl die spannendsten meines Berufslebens. Und ich bin zur Überzeugung gelangt: Es gibt keine Branche, in der sich so viele interessante Menschen tummeln wie in der Hotellerie, diesem Schmelztiegel von charismatischen und farbigen Figuren. Das gilt vom Eigentümer eines Hotels über den General Manager und die Köche bis zur Rezeptionistin und dem Assistenten des Concierge. Dass man in Hotels unglaublich viel sieht und erlebt, liegt folglich auf der Hand. Vielleicht schreibe ich noch ein Buch über die vielen Begegnungen und Erlebnisse in all den schönen (und auch weniger schönen) Herbergen. Vor allem aber bin ich zutiefst dankbar, dass ich als Hoteltester so viele Häuser nicht bloss in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt kennen lernen durfte. Und immer noch darf.

 

Wenn wir schon beim Danken sind: Ein ganz grosses Merci geht an meine Verlegerin Annette Weber. Sie gibt den Hotelführer nun schon zum neunten Mal heraus. Und es macht von Jahr zu Jahr noch mehr Spass, mit dieser äusserst kompetenten Verlegerin und ihrem perfekt eingespielten Team zusammenzuarbeiten. Annette Weber feiert übrigens auch Jubiläum. Vor 30 Jahren hat sie ihren eigenen Verlag gegründet. Heute zählt er dank ihrem unternehmerischen Talent, ihrem feinen Gespür für Entwicklungen und Trends zu den drei grössten Sachbuch- und Zeitschriftenverlagen der Schweiz. Herzliche Gratulation. Und: Chapeau!

 

Nun wünschen wir Ihnen viel Freude und Inspirationen mit dem neuen Hotelführer.

 

Karl Wild

Autor