ZWISCHEN HOFFNUNG UND UNGEWISSHEIT – DAS 26. SCHWEIZER HOTELRATING

Die Schweizer Ferienhotellerie blickt auf ein gutes bis sehr gutes Jahr 2021 zurück. Auch der vergangene Winter gab kaum Anlass zur Klage. Zu verdanken ist dies der Treue der Schweizer Gäste, aber auch der Tatsache, dass die pandemiebedingten Restriktionen weit weniger streng ausfielen als in unseren Nachbarländern. Dass uns relativ grosse Freiheiten gelassen wurden, erwies sich als goldrichtig. Und die nicht wenigen Kritiker, die uns den Zusammenbruch des Gesundheitswesens prophezeiten, haben sich still aus dem Staub gemacht. Wie immer. Ungleich trauriger steht es nach wie vor um die Stadthotellerie. Die Zahl der Gäste aus dem Ausland ist zwar wieder im Steigen und auch der Freizeittourismus ist in den Städten mit viel Aufwand wiederbelebt worden, doch die Zahlen aus den Jahren vor der Pandemie werden wohl erst in zwei Jahren wieder erreicht werden. Zu sehr stottert der Kongress- und Seminartourismus noch.

 

Es gibt Grund zur Hoffnung, vorsichtiger Optimismus ist angebracht, der Buchungsstand in den Ferien­hotels ist gut, und dennoch ist auch dieses Jahr ein Jahr mit vielen Fragezeichen. Ob Corona tatsächlich zu einem harmlosen Erkältungsvirus schrumpft und im kommenden Winter kein Thema mehr ist, wissen wir nicht. Ebenso wenig wissen wir, wie kriegerische Auseinandersetzungen sich auf das globale Reiseverhalten auswirken werden. Sicher ist fast nur eines: Auch wenn die Risiken im Ausland geringer geworden sind, spricht vieles für Ferien im eigenen Land. Namentlich eine Hotellerie, die qualitativ noch nie so stark war wie heute.

 

Wer in den fünf Kategorien des Schweizer Hotelratings einmal auf Platz eins ist, verteidigt diese Auszeichnung mit derselben Vehemenz wie ein Spitzenrestaurant seine drei Michelin-Sterne. Es hat denn auch seine Logik, dass heuer dieselben Häuser ganz vorn liegen wie schon vor einem Jahr: Die Big five sind ausnahmslos vorbildlich geführt, die Gastfreundschaft ist schier unübertrefflich und sie werden mit viel Geld Jahr für Jahr auf Topniveau gehalten. Kurz: Sie sind derzeit schlicht die Besten. Dass sie auch in den übrigen Bewertungskriterien ganz vorn sind, versteht sich von selbst. Gewiss, man könnte sich bisweilen unter den Bestplatzierten etwas mehr Abwechslung wünschen. Aber in einem Hotelrating ist Abwechslung um der Abwechslung ­willen  der Tod der Glaubwürdigkeit. Und acht Häuser, die neu oder wieder im Rating Aufnahme gefunden haben, sorgen allemal für frischen Wind.

Bestes Schweizer Ferienhotel ist das Castello del Sole in Ascona. Bei den Nice-Price-Ferienhotels bleibt der Vitznauerhof vorn, bei den Wellnesshotels das Grand Resort Bad Ragaz, bei den Stadthotels The ­Dolder Grand und bei den Familienhotels das Albergo Losone. Zu den interessantesten Neuen zählen The Woodward Hotel in Genf, das ­Kempinski Palace in Engelberg, das Bergwelt in Grindelwald und das Parkhotel Margna in Sils-Baselgia. Jedes dieser Häuser ist auf seine Art eine enorme Bereicherung für die helvetische Hotelszene. Bei anderen interessanten Objekten haben wir entschieden, vorerst die weitere Entwicklung abzuwarten. So zum Beispiel beim Luzerner Château Gütsch. Oder beim Park Gstaad, das zum Verkauf steht. Four Seasons soll sich für das Management im Mammutchalet interessieren.

 

Hotel des Jahres ist Le Grand ­Bellevue in Gstaad, das von Märchenprinzen zweimal vor dem Untergang gerettet wurde und heute ein Traumhotel ist. Hotelier des Jahres ist Giuseppe Rossi vom Splendide Royal in Lugano, ein auch international hoch angesehener Mann von Welt. Koch des Jahres ist Sven Wassmer (Memories, Grand Resort Bad Ragaz), Concierge des Jahres ist ­Alexander Piderit (Kronenhof, Pontresina), Newcomer des Jahres ist ­Andreas Magnus (Kempinski Palace Engelberg), Aufsteiger des Jahres sind Luzi und Simona Seiler (Parkhotel Margna, Sils-Baselgia), das Comeback des Jahres gibt Reto ­Kocher im Mövenpick Basel. Der Lifetime Award schliesslich geht an Marco Torriani, jahrzehntelang eine der ganz grossen Persönlichkeiten der Schweizer Tophotellerie.

 

Während das Schweizer Hotel­rating mittlerweile zum 26. Mal 

in der SonntagsZeitung erscheint, feiern wir ein kleines Jubiläum: Unter dem Titel «Die 100 besten Hotels der Schweiz» bringt der Weber Verlag, Thun, das Rating zum zehnten Mal auch in Buchform heraus. Im vergangenen halben Jahrhundert habe ich als Publizist und Buchautor mehrere Verlage kennengelernt. Die Zusammenarbeit war meist gut bis sehr gut. Doch wenn ich heute zurückblicke, komme ich zum Schluss: Nirgends war sie so perfekt wie in den zehn Jahren mit dem Weber Verlag. Nirgends war sie fachlich wie menschlich derart inspirierend und erspriesslich. Dafür danke ich meiner Verlegerin Annette Weber und den Profis in ihrem perfekt eingespielten Team herzlich. Und ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.

 

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude mit dem neuen Hotelführer.

 

Karl Wild

Autor