20 JAHRE SCHWEIZER HOTELRATING

In der Hotellerie verstärkt sich derzeit weltweit der Trend zur Spezialisierung. Viele Hotels wollen nicht mehr sämtliche Gäste ansprechen und

damit niemanden so richtig, sondern sie fokussieren sich auf ein ganz bestimmtes Segment. Das ist nachvollziehbar und bringt durchaus Vorteile. Wer zum Beispiel seine Ruhe möchte und ein Hotel nur für Erwachsene bucht, ist in einem Adults only-Haus garantiert nicht andauernd

mit Babys konfrontiert, die in ihren Kinderwagen um die Wette brüllen. Aber auch Eltern, die sich für die Gattung der Familienhotels entscheiden,

profitieren. Sie können davon ausgehen, dass der Nachwuchs professionell betreut wird und sie daneben Zeit für sich selbst haben.

 

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Andere Gruppierungen wie etwa die Gartenhotels versprechen dem Gast viel Freiraum, grüne Rückzugsoasen und feine Düfte. Wieder andere setzen auf die Öko- und Bioschiene und merken kaum, dass sie zusehends ins Sektiererische abzugleiten drohen. Kurz: Es gibt mittlerweile kaum noch etwas, das es nicht gibt. Die Spezialisierung, ja oft fast gnadenlose Konzentration vieler Hotels auf die Ansprüche einer bestimmten

G.stegruppe birgt – bei allen Vorteilen – auch einiges an Gefahrenpotenzial. Wer sich überhaupt nicht oder nur oberflächlich darüber informiert,

was ihn erwartet, kann sich nämlich arg in die Nesseln setzen. Zum Beispiel in einem Hotel für Singles.

 

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Singlehotel mag im ersten Augenblick recht vielversprechend, ja gar aufregend tönen, doch die Realität ist eine ganz andere. Spezialisierte

Singlehotels werden nämlich fast immer und nahezu überall mit überwältigender Mehrheit von übergewichtigen Männern frequentiert, die ihre

besten Tage schon seit längerer Zeit hinter sich haben. Das fast völlige Ausbleiben von weiblichen Gästen treibt diese verhinderten Liebesabenteurer nach spätestens zwei Tagen an den Rand der Verzweiflung oder in die kollektive Depression. Und letztlich an die Bar, den bevorzugten Ort, um sich mit den übrigen Frustrierten ins Elend zu saufen.

 

 

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Weil es Hotels für Singles gibt, muss es logischer- und konsequenterweise auch Hotels für Paare geben. Gerät man als Alleinreisender oder mit einem Kollegen versehentlich in ein solches Haus, ist auch hier das Fiasko garantiert. Zwar wird man, wenn auch spürbar widerwillig, gerade noch so geduldet, aber erwünscht ist man ganz offensichtlich nicht. Man steht unweigerlich im Verdacht, jemandem die Partnerin ausspannen zu wollen. Die damit verbundene Distanzierung und Ausgrenzung führt Bemitleidenswerte, die sich in ein Hotel für Paare verirrt haben, schnurstracks in eine ähnliche Trübsal und Verzweiflung, wie sie in Singlehotels herrscht. Jedenfalls ist die Ferienstimmung auch hier im Eimer, bevor sie überhaupt aufgekommen ist.

 

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Dann gibt es natürlich auch den Zusammenschluss der hundefreundlichen Hotels. In Häuser dieser Gattung sollte man sich ohne Begleitung

eines Hundes niemals wagen. Auch dann nicht, wenn man Hunde durchaus mag. Denn in den hundefreundlichen Hotels gibt es von frühmorgens bis spätabends nur ein Thema: den Hund eben. Häufig geniesst er die grössere Aufmerksamkeit als der menschliche

Partner. Ob das Tierchen die Anreise auch schadlos überstanden hat, ob es sich in seiner neuen Umgebung wohl und geborgen fühlt, ob das

Futter vitaminreich und hochwertig genug ist und frei von künstlichen Zutaten – die Sorgenliste der Hundebesitzer ist in ihrer Endlosigkeit einzigartig. Darüber hinaus erfährt man, ungefragt natürlich, auch Hochinteressantes. Wann, wo und worauf der Hund besonders anf.llig ist zum Beispiel. Oder wann und weshalb er zum letzten Mal von heimtückischem Durchfall befallen wurde. Welche Allergien ihm zu schaffen machen und welche Zahnfleischentzündungen ihn schon gequält haben. Fazit nach einem einzigen Tag im hundefreundlichen Hotel: Ohne Hund kommt man hier intellektuell schnurstracks auf den Hund.

 

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Nicht vergessen wollen wir in unserer unvollständigen Aufzählung natürlich die Kategorie der Hotels 50 plus. Wer die magische Altersschwelle 50 nicht erreicht hat, hat in diesen Häusern nichts zu suchen. Hier trifft man auf bemerkenswert bunte und interessante Ansammlungen von Senioren, Supersenioren, Veteranen und Superveteranen, die enorm viel Energie dafür aufwenden, jung, sportlich, lässig und cool zu erscheinen. Je nach Wetterverhältnissen und Weltanschauung sind Gummistiefel, halbhohe Turnschuhe oder Heilandsandalen ihr bevorzugtes

Schuhwerk. Und der Hauptgesprächsstoff ist, wie könnte es anders sein, die Gesundheit. Dominante Themen sind, selbst beim Dinner,

künstliche Hüftgelenke, Prostataoperationen und die Furzorgien im Anschluss an Darmspiegelungen. Das Essen schmeckt dann jeweils hammermässig.

 

Karl Wild

 

KARL WILD HOTELRATING SCHWEIZ

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